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9. Mai 2016

Öffentliche Zitate (citat i gatan) in Växjö

Växjö gehört zu jenen Städten Schwedens in denen das Künstlerduo FA+ (Ingrid Falk und Gustavo Aguerre) einen Teil ihrer Kunstprojekts Universal Library verewigen konnten, eine Bibliothek, die überwiegend mit Füssen getreten wird und nur von einer Minderheit der Passanten gelesen wird, denn die Bibliothek ist in Växjö gewissermaßen in die Steine der Fußgängerwege eingeschlagen und nur zu entdecken wenn man die Augen nicht in die Ferne schweifen lässt, sondern diese seinen Schritten folgen lässt.

Foto: Herbert Kårlin

Natürlich haben die Künstler auf der sogenannten Kulturstrecke (Kulturstråket) in Växjö keine Gesamtwerke im Stein hinterlassen, sondern lediglich Zitate gewählt, die den Zugang zu den Autoren erleichtern und fördern sollen. Gegenwärtig handelt es sich dabei um 22 Zitate von Schriftstellern, die alle eng mit der Region Kronoberg verknüpft sind und auf diese Weise für immer mit Växjö verbunden bleiben.

Wer die Zitate entlang der Kulturstrecke liest, wird sehr schnell entdecken, dass die genannten Autoren nicht nur auf den Steinen der Trottoirs existieren, sondern auch als Straßennamen, dass Plätze oder Parks nach ihnen benannt sind und gewisse Gebäude ebenfalls mit ihnen verbunden sind. Die mit Füssen getretenen Zitate sind daher auch eine Art touristischer Führer, der einen Teil der Vergangenheit Växjös näher rückt, selbst wenn man sich vielleicht nicht für die klassischere Literatur Schwedens interessiert.

Seit der Kulturnacht im Januar des Jahres 2012 findet man indes nicht nur auf den Fußgängerwegen Växjös die öffentlichen Zitate, sondern nachts auch auf der Fassade der Stadtbibliothek. Alle drei Monate werden hier die Zitate ausgetauscht, wobei das erste Zitat vom Poeten und Schriftsteller Johannes Anyuru stammte, der selbst in Växjö geboren wurde, aber dessen Vater aus Uganda einwanderte, ein Literat, der eine Brücke zwischen zwei Ländern schlägt.

Auch wenn die Wahl der Zitate als solches nicht einfach war, so gab es in Växjö kein Problem Personen zu finden, die sehr eng mit der Stadt verknüpft werden, denn Pär Lagerkvist und Agnes von Krusenstjerna wurden hier geboren, Carl von Linné ging hier zur Schule und fand die Liebe zur Botanik, Esaias Tegnér war Bischof in Växjö und auch Elin Wägner verbrachte sehr viele Jahre in Lilla Björka, das nur wenige Kilometer vor Växjö liegt. Ihr Häuschen ist noch heute zu finden.

Auf Grund der öffentlichen Zitate von FA+ ist Växjö auch mit anderen Städten Schwedens verknüpft, denn die Universal Library setzt in Stockholm mit August Strindberg, in Umeå mit Sara Lidman und in Falun mit Selma Lagerlöf fort, und führt von Schweden aus auch in zahlreiche andere Länder, da die Universal Library weltweit wächst und gewissermaßen zu einem Kulturgut in Kunstform wurde.
Copyright: Herbert Kårlin

8. Mai 2016

Der Kulturpark (Kulturparken) in Växjö

Der Kulturpark Småland ist im Grunde eine Aktiengesellschaft, die von der Stadt Växjö und der Region Kronoberg gebildet wurde um mehrere kulturelle Gebäude, Schlossruinen und einen Dampfer zu verwalten und die kulturellen Werte in und um Växjö zu erhalten. Allgemein versteht man unter dem Kulturparken jedoch mehr die kulturellen Werte, die damit unter einen gewissen Schutz fallen. Kostenlos besucht werden kann innerhalb des Kulturparks lediglich der sogenannte Museumspark (Museiparken), der zwischen dem Haus der Auswanderer und dem alten Gebäude des Smålands Museum liegt.

Foto: Herbert Kårlin

Der Museumspark besteht aus mehreren historischen Gebäuden des Småland und bildet ein kleines Freiluftmuseum in dem man mehrere Gebäude aus dem 18. Jahrhundert finden kann und die den Besucher in die Vergangenheit Schwedens entführen.

Das bekannteste Gebäude dieses Freiluftmuseums ist vermutlich der gegen 1750 erbaute Domprostgården, der ursprünglich zur Domkirche gehörte, 1870 jedoch, mit dem Bau der Eisenbahnlinie, zur Wohnung von Angestellten der Eisenbahn wurde und als Eisenbahngaststätte diente. In diesem Haus wurde auch der Schriftsteller und Nobelpreisträger Pär Lagerkvist geboren und in seiner Umgebung verbrachte er seine Jugend.

Die historisch vermutlich interessantesten Gebäude des Freilichtmuseums sind wiederum die Wassermühle (Hjulkvarnen), die, je nach Wassermenge, auf zwei verschiedene Weisen betrieben werden konnte und die etwas höher liegende Windmühle (Väderkvarnen), dessen Oberteil gedreht werden konnte, so dass die Windräder immer in der optimalen Windlage waren. Beide Mühlen wurden bereits 1930 hier aufgestellt, als der Museumsdirektor und Architekt Paul Boberg noch den Plan hatte hier ein größeres Freilichtmuseum aufzubauen in dem man einen Querschnitt der früheren Häuser des Småland finden sollte.

Auch das Ganghaus (Loftboden) aus Långaskruv sollte man sich etwas genauer ansehen, denn hierbei handelt es sich um ein zweistöckiges Gebäude, das eigentlich die Scheune und das Lager eines Gehöfts war, jedoch so gebaut wurde, dass der obere Teil während der Erntezeit im Sommer auch von Knechten und Mägden zum Schlafen benutzt werden konnte. Diese Art der Gebäude waren im 18. und 19. Jahrhundert sehr häufig im Småland, verschwanden mittlerweile jedoch weitgehend aus der Landschaft.

Die sogenannte Högloftstugan, die gegen 1750 in Angelstad gebaut wurde, war dagegen ein Wohnhaus, das ärmere Bauern von Großgrundbesitzern mieteten, gemeinsam mit einem Stück Land das sie bebauen konnten, jedoch in der Regel mit der Auflage auch eine bedeutende Arbeitsleistung auf dem Hof zu leisten. Später wurden diese kleinen Gebäude auch an Soldaten oder Fischer vermietet, die bereit waren auf Komfort zu verzichten und nur eine geringe Miete bezahlen konnten.
Copyright: Herbert Kårlin